Tendinopathie
Tendinopathie ist der Sammelbegriff für schmerzhafte, überlastete Sehnen, von der Achillessehne bis zur Schulter. Sehnen werden nicht durch Ruhe stärker, sondern durch die richtige Dosis Belastung.
Was ist eine Tendinopathie?
Tendinopathie ist der Oberbegriff für schmerzhafte Sehnenveränderungen, die durch Überlastung entstehen. Früher sprach man von Sehnenentzündung, heute weiß man, dass meist keine klassische Entzündung vorliegt, sondern eine Strukturveränderung: Die Sehne hat auf zu viel oder zu schnell gesteigerte Belastung reagiert, indem sie sich umgebaut hat, und ist dadurch schmerzempfindlicher und weniger belastbar geworden. Typische Stellen sind die Achillessehne, die Patellasehne beim Patellaspitzensyndrom, die Sehnen der Rotatorenmanschette, der Ellenbogen (Tennisarm) und die Sehnenansätze an der Hüfte.
Wie eine Tendinopathie entsteht
Sehnen passen sich an Belastung an, allerdings deutlich langsamer als Muskeln. Wenn die Belastung über Wochen schneller steigt als die Anpassungsfähigkeit der Sehne, kippt das Gleichgewicht. Häufige Auslöser:
- Plötzliche Steigerung von Laufumfang, Sprüngen oder Trainingsintensität
- Neue Belastungsformen, zum Beispiel der Einstieg in HYROX-Training mit vielen Sprüngen und Sprints
- Zu wenig Regeneration und Schlaf zwischen intensiven Einheiten
- Schwache Muskulatur, die die Sehne nicht ausreichend entlastet
Typisch ist ein Schmerz, der zu Beginn der Belastung auftritt, sich beim Warmwerden bessert und nach dem Training oder am nächsten Morgen wieder da ist. Morgensteifigkeit ist ein klassisches Zeichen.
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Warum Schonung nicht funktioniert
Bei Ruhe lässt der Schmerz oft nach, die Sehne wird aber nicht belastbarer. Sobald die alte Belastung zurückkommt, ist der Schmerz wieder da. Sehnen brauchen einen Reiz, um sich anzupassen. Die Kunst besteht darin, die Belastung so zu dosieren, dass sie die Sehne fordert, ohne sie zu überfordern. Genau darum geht es in der Belastungssteuerung.
Wie ich Tendinopathien in der Sporttherapie angehe
Am Anfang steht die Analyse: Welche Belastung hat die Sehne überfordert, wie stark ist die zugehörige Muskulatur im Seitenvergleich, welche Bewegungsmuster erhöhen die Last? Der Aufbauplan folgt bei fast allen Sehnen einer ähnlichen Logik in vier Stufen: Zuerst isometrische Übungen, also Halten unter Last, die häufig sofort schmerzlindernd wirken. Dann langsames, schweres Krafttraining, bei dem die Sehne kontrolliert und mit steigendem Gewicht belastet wird. Danach kommen energiespeichernde Belastungen wie Sprünge und Sprints dosiert dazu. Zum Schluss folgt der Return-to-Sport-Plan mit sportartspezifischer Belastung. Progressive Overload bedeutet hier, das Gewicht konsequent zu steigern, aber die Reaktion der Sehne innerhalb von 24 Stunden als Maßstab zu nehmen. Ein leichter Schmerz während der Übung ist in Ordnung, ein stärkerer Schmerz am nächsten Tag zeigt, dass der Schritt zu groß war. Da jeder Körper anders reagiert, werden Übungsauswahl und Tempo laufend an dich angepasst.
Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist
Bei plötzlichem, stechendem Schmerz mit Kraftverlust, deutlicher Schwellung, einer tastbaren Delle in der Sehne oder Schmerzen, die nachts anhalten, sollte die Ursache vorab ärztlich geklärt werden, um einen Riss auszuschließen. Auch wenn nach mehreren Wochen konsequenten Trainings keine Besserung eintritt, ist eine Untersuchung sinnvoll.
Häufige Fragen zu Tendinopathie
Sehnen brauchen Zeit. Erste Verbesserungen zeigen sich oft nach vier bis sechs Wochen, die volle Belastbarkeit dauert meist drei bis sechs Monate. Je länger die Beschwerden bestehen, desto mehr Geduld ist nötig.
Meist nicht als Hauptmaßnahme. Bei Sehnenansätzen kann intensives Dehnen die Beschwerden sogar verstärken. Der wichtigste Baustein ist Krafttraining mit langsamer Steigerung.
Ja, angepasst. Ein Schmerz bis etwa drei von zehn während der Übung, der innerhalb von 24 Stunden wieder abklingt, gilt als vertretbar. Wird er stärker oder hält an, ist die Belastung zu hoch.
Da meist keine echte Entzündung vorliegt, ist der Nutzen begrenzt. Kurzfristige Schmerzlinderung kann helfen, um trainieren zu können, ersetzt aber nicht den Aufbau der Sehne durch Belastung.
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im GlossarDas Patellaspitzensyndrom ist eine Überlastung der Kniescheibensehne, typisch bei Sportarten mit Sprüngen und schnellen Richtungswechseln. Die Sehne wird nicht durch Schonung stärker, sondern durch dosierte Belastung.
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