Sporttherapie & Reha

Hüftschmerzen beim Laufen: Ursachen erkennen und die Hüfte belastbar machen

Dennis Bobinski
Von · Personal Trainer, Sporttherapeut & Ernährungsberater
6 Min. Lesezeit

Hüftschmerzen beim Laufen entstehen häufig durch Überlastung: zu schnell gesteigerte Umfänge und zu wenig Kraft in Gesäß und Hüfte. Wo es weh tut, gibt erste Hinweise, ersetzt aber keine Diagnose. Starke, anhaltende oder unklare Schmerzen gehören ärztlich abgeklärt. Danach hilft gezielter Kraftaufbau mit angepasster Laufbelastung.

Portrait von Dennis Bobinski an den Turnringen im Loft42 in Stuttgart

Hüftschmerzen beim Laufen haben häufig mit Überlastung zu tun: Der Umfang wurde schneller gesteigert, als Sehnen, Muskeln und Gelenk sich anpassen konnten, oder der Hüfte fehlt Kraft an den entscheidenden Stellen. In vielen Fällen lässt sich das mit angepasster Belastung und gezieltem Kraftaufbau trainieren.

Wo genau es weh tut, gibt dir eine erste Orientierung. Eine Diagnose ist das nicht. Die kann nur eine Ärztin oder ein Arzt stellen, und bei bestimmten Warnzeichen solltest du damit nicht warten.

Wann du zum Arzt solltest

Ich bin Sporttherapeut und Trainer, kein Arzt. Deshalb steht dieser Abschnitt bewusst am Anfang. Lass deine Hüfte ärztlich untersuchen, bevor du weitertrainierst, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Schmerzen in Ruhe oder nachts, die dich wach halten
  • tiefer Leistenschmerz, der unter Belastung von Lauf zu Lauf zunimmt
  • Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall
  • du kannst das Bein nicht mehr normal belasten oder hinkst
  • Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust im Bein
  • Schwellung, Überwärmung oder Fieber
  • Blockieren oder Einklemmen im Gelenk
  • Beschwerden, die trotz reduzierter Belastung nach zwei bis drei Wochen nicht besser werden

Mit einem Befund in der Hand lässt sich der Aufbau danach deutlich gezielter planen.

Wo es weh tut und was dahinterstecken kann

Hüftschmerz ist nicht gleich Hüftschmerz. Grob lassen sich drei Regionen unterscheiden.

Vorne und in der Leiste: Schmerzen hier können vom Hüftgelenk selbst kommen, aber auch von den Hüftbeugern oder den Adduktoren. Typisch ist ein Stechen oder Ziehen bei tiefer Beugung, nach langem Sitzen oder bei schnellen Läufen.

Außen an der Hüfte: Schmerzen am seitlichen Hüftknochen hängen oft mit den Sehnen der Gesäßmuskulatur zusammen. Viele Betroffene spüren sie beim Liegen auf der Seite, beim Treppensteigen oder beim Stehen auf einem Bein.

Hinten und im Gesäß: Hier kommen die tiefe Gesäßmuskulatur, der Ansatz der hinteren Oberschenkelmuskulatur oder der untere Rücken infrage. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, gehören ärztlich abgeklärt.

Unabhängig von der Region sehe ich im Training häufig dieselben Auslöser: ein sprunghaft gestiegener Wochenumfang, viele harte Einheiten hintereinander, neue Strecken mit viel Gefälle und wenig Krafttraining neben dem Laufen. Beim Laufen landest du bei jedem Schritt auf einem Bein. Die Gesäßmuskulatur muss dabei das Becken stabil halten. Fehlt ihr die Kraft oder die Ausdauer, kippt das Becken zur Seite weg, und andere Strukturen müssen die Arbeit übernehmen.

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Hüftdysplasie und Hüftimpingement

Zwei Begriffe fallen bei Hüftschmerzen häufig. Beide beschreiben die Form des Gelenks, und beide können nur ärztlich festgestellt werden.

Bei einer Hüftdysplasie überdacht die Hüftpfanne den Hüftkopf nicht vollständig. Dem Gelenk fehlt knöcherne Führung, und die Muskulatur muss mehr Stabilität leisten. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Als ehemaliger Leistungssportler hatte ich selbst unter anderem eine Hüftdysplasie und Entzündungen in der Hüfte. Damals war ich jung, bin von Arzt zu Arzt gelaufen und dachte, ich müsste mit den Schmerzen leben. Dieser Weg hat mich zum gezielten Muskelaufbau und später zur Ausbildung als Sporttherapeut gebracht.

Beim Hüftimpingement, fachlich femoroacetabuläres Impingement-Syndrom, stoßen Hüftkopf und Pfannenrand bei bestimmten Bewegungen früher aneinander. Ein internationales Konsenspapier, das Warwick Agreement, hält fest, dass für die Diagnose drei Dinge zusammenkommen müssen: passende Beschwerden, klinische Zeichen in der Untersuchung und Befunde in der Bildgebung. Eine auffällige Form auf dem Bild allein ist also noch keine Erkrankung.

Als Behandlungswege nennt das Konsenspapier konservative Maßnahmen, übungsbasierte Rehabilitation und Operation. Welcher Weg passt, entscheidest du mit deinem Arzt. Kommt aktives Training infrage, empfehlen internationale Fachleute für Hüftbeschwerden bei jungen und mittelalten aktiven Erwachsenen ein übungsbasiertes Programm über mindestens drei Monate, mit Kräftigung von Hüfte und Rumpf und funktionellen Übungen.

Übungen, die die Hüfte belastbar machen

Es gibt nicht die eine Übung gegen Hüftschmerzen. Es gibt aber Bausteine, die in fast jedem Aufbau vorkommen. Ich steigere sie in dieser Reihenfolge:

  1. Isometrisches Halten: Seitstütz auf den Knien, Abspreizen gegen ein Band im Stehen, Brücke mit Halten. Ruhig, kontrolliert, im schmerzarmen Bereich.
  2. Hüftstreckung: Brücke und Hip-Thrust, erst beidbeinig, dann einbeinig.
  3. Abduktoren: seitliches Gehen mit Band, Abspreizen im Stand, später am Kabelzug.
  4. Einbeinige Kontrolle: Step-up, Step-down und Split-Squat mit stabilem Becken und sauberer Beinachse.
  5. Kraft mit Gewicht: Kniebeuge und Kreuzheben in einer Tiefe, die deine Hüfte gut toleriert.
  6. Rumpf: Seitstütz und Übungen für die Core-Stabilität, damit das Becken beim Laufen ruhig bleibt.

Als Faustregel gilt: Leichte Beschwerden während der Übung sind meist in Ordnung, wenn sie innerhalb eines Tages wieder abklingen. Nimmt der Schmerz zu oder hält er an, war die Belastung zu hoch. Bei Schmerzen in der Leiste reduziere ich zunächst tiefe Beugewinkel. Intensives Dehnen in den Schmerz hinein bringt selten etwas.

Laufbelastung steuern statt pausieren

Komplette Pause ist selten die Lösung. Du verlierst Kondition, und die Struktur wird durch Schonung nicht belastbarer. Sinnvoller ist es, die Belastung so weit zu senken, dass die Hüfte sie verträgt.

  • Umfang und Tempo reduzieren, vor allem schnelle Einheiten und Bergabläufe
  • kürzere Läufe auf mehr Tage verteilen statt weniger langer Läufe
  • eine etwas höhere Schrittfrequenz mit kürzeren Schritten ausprobieren
  • Ausdauer vorübergehend auf Rad, Rudergerät oder Ski-Ergometer verlagern
  • Steigerungen in kleinen Schritten planen, mit ruhigeren Wochen dazwischen

Bei Schmerzen an der Außenseite kommt der Alltag dazu. Eine große Studie zur Sehnenreizung der Gesäßmuskulatur zeigte, dass Aufklärung über Belastung zusammen mit Übungen besser abschnitt als Abwarten oder eine Kortisonspritze. Teil der Beratung war, Positionen zu meiden, die die Sehnen zusammendrücken: Beine übereinanderschlagen, im Stand in eine Hüfte hängen, lange auf der schmerzenden Seite liegen.

So arbeite ich in der Sporttherapie

In meiner Sporttherapie in Stuttgart beginne ich mit einem Gespräch und einem Bewegungs-Check: Wann tut es weh, wie lange schon, wie hat sich dein Training verändert? Dann schaue ich mir Beweglichkeit, Kraft im Seitenvergleich, Beinachse und Rumpfstabilität an, unter anderem bei Kniebeuge, Ausfallschritt und im Einbeinstand. Befunde von Arzt oder Physiotherapie nehmen wir mit rein. Auf Wunsch stimme ich mich mit ihnen ab.

Daraus entsteht ein Aufbauplan: 1:1-Einheiten bei mir im Studio im Stuttgarter Westen und ein kurzes Programm für zuhause mit Band und Körpergewicht. Wir steigern die Belastung vorsichtig, aber konsequent, und planen parallel deinen Weg zurück ins Laufen mit klaren Stufen. Wenn die Hüfte wieder trägt, geht es nahtlos ins Athletiktraining oder Personal Training über. Das Aufbauprogramm bleibt als Rückfallschutz in deinem Plan.

Ich verspreche dir keine Heilung. Ich kann dir aber zeigen, wie du deine Hüfte Schritt für Schritt belastbarer machst.

Häufige Fragen zu Hüftschmerzen beim Laufen

Häufig durch Überlastung: Umfang oder Tempo wurden zu schnell gesteigert, und der Gesäß- und Hüftmuskulatur fehlt Kraft. Auch die Form des Gelenks kann eine Rolle spielen. Was bei dir die Ursache ist, klärt eine ärztliche Untersuchung.

Bei leichten Beschwerden, die nach dem Lauf schnell abklingen, reicht es oft, Umfang und Tempo zu reduzieren. Nimmt der Schmerz beim Laufen zu, hinkst du oder tut es in Ruhe weh, pausiere und lass die Hüfte untersuchen. In der Zwischenzeit kannst du meist schmerzfrei auf dem Rad oder Ergometer trainieren.

Bewährt haben sich Übungen für Gesäß, Abduktoren und Rumpf: Brücke, Hip-Thrust, seitliches Gehen mit Band, Seitstütz und einbeinige Übungen wie Step-up und Split-Squat. Wichtig ist die langsame Steigerung. Welche Übungen zu dir passen, hängt von deinem Befund ab.

Das hängt von der Ausprägung und deinen Beschwerden ab und gehört mit deinem Orthopäden besprochen. Viele Betroffene profitieren von kräftiger Hüft- und Rumpfmuskulatur, weil sie dem Gelenk mehr Stabilität gibt. Ob und wie viel Laufen sinnvoll ist, ist eine individuelle Entscheidung.

Das ist sehr unterschiedlich. Bei Überlastungsbeschwerden sind erste Fortschritte oft nach einigen Wochen spürbar. Für einen vollständigen Aufbau solltest du eher mit mehreren Monaten rechnen, Fachleute empfehlen für übungsbasierte Programme mindestens drei Monate.

Quellen

  1. Griffin et al. (2016): The Warwick Agreement on femoroacetabular impingement syndrome (FAI syndrome): an international consensus statement, British Journal of Sports Medicine
  2. Kemp et al. (2020): Physiotherapist-led treatment for young to middle-aged active adults with hip-related pain: consensus recommendations from the International Hip-related Pain Research Network, Zurich 2018, British Journal of Sports Medicine
  3. Mellor et al. (2018): Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy: prospective, single blinded, randomised clinical trial, BMJ

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei akuten oder unklaren Beschwerden lass die Ursache bitte medizinisch abklären.

Über den Autor
Dennis Bobinski
Dennis Bobinski
Personal Trainer, Sporttherapeut & Ernährungsberater

Dennis Bobinski ist Personal Trainer in Stuttgart. Er arbeitet seit 2010 als Trainer und ist ausgebildeter Sport- und Gymnastiklehrer, Sporttherapeut und Ernährungsberater. Er ist Gründer des Studios Loft42 in Stuttgart-West und des Outdoor-Workouts Urban Move in Stuttgart.

  • Ausgebildeter Sport- und Gymnastiklehrer
  • Sporttherapeut
  • Ernährungsberater
  • YPSI Personal Training A-Lizenz + Hautfaltenmessung (Wolfgang Unsöld)
  • Bachelor of Science, Angewandte Psychologie

Schwerpunkte: Personal Training, Krafttraining, Trainingsplanung, HYROX, Ausdauertraining, Sporttherapie, Mobility, Regeneration, Ernährungsberatung

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